Lebenszeichen #7 – Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

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… der uns beschützt und der uns hilft zu leben. Die zauberhaften Worte von Hermann Hesse fühle ich jedes Jahr zu Jahresanfang. Es ist wie der Beginn eines neuen Schuljahres, eines neuen Semesters, einer neuen Arbeitsstelle, der Wechsel in die Selbstständigkeit, der Umzug in eine neue Wohnung, in eine neue Stadt, ein neues Land. Ein paar Gedanken zu meinem Jahresanfang und Tipps für ein starkes Buch und einen bewegenden Film.

Obwohl sich das Datum nur um einen Tag ändert, liegt etwas Magisches, etwas “Alles-ist-möglich” in einem Jahresanfang. Um mir dieses Aufbruchsgefühl möglichst lange festzuhalten, starte ich bewusst langsam ins neue Jahr. Erst so allmählich lasse ich eine selbstverständliche Vertrautheit zu, damit mir die kostbare neue Energie nicht zu schnell durch Anforderungen, Aufgaben und Pflichten entrissen wird. Gerade justiere ich meinen Fokus so schön neu auf meine Bedürfnisse, auf das, was mir guttut, um das neue Jahr mit Freude und Leichtigkeit zu erleben.

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Mein Jahresanfang

Die erste Januarwoche ist meine Lieblingsjahreswoche. Die Feiertage sind gefeiert, es ist alles getan. Ein frischer neuer Jahreskalender liegt aufgeschlagen vor mir und wird mit neuen Plänen gefüllt. Hier kommen Vorsätze ins Spiel. Ich nenne sie lieber Ziele. Vorsatz ist ein fester Entschluss für etwas, das man gern hätte, aber ein Ziel ist ein angestrebter Zustand in der Zukunft und somit viel konkreter und realistischer.

Der Vorsatz, mehr Sport zu machen, ist gut gedacht, hat aber keine unmittelbare Auswirkung und ist total schwammig. Ich setze mir zum Jahresanfang lieber zum Ziel, “bis zum Sommer möchte ich mich wieder fitter fühlen” und dafür werde ich zweimal die Woche regelmäßig laufen oder ins Fitness Studio gehen und mindestens dreimal in der Woche meine Yogamatte ausrollen. Die konkreten Formulierungen und geplanten Aktionen motivieren mich, mein Ziel zu erreichen.

Während der Feiertage und zwischen den Jahren haben wir viel gelesen, hatten Familienbesuch, waren im Theater, waren oft und lang spazieren, haben endlich als Familienevent die letzten Teile von Harry Potter angesehen, nachdem wir 2020 nach dem fünften Teil abrupt aufgehört haben. Das ist so ein Familienhappening, für das uns die letzten beiden Jahre die Leichtigkeit gefehlt hat.

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Wir haben alte Familienalben aus dem Keller geholt und unsere Tochter hat sich an unseren alten Fotos gefreut, wie wir mit Anfang zwanzig aussahen und was wir so gemacht haben.

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1996 in Paris

Ein Buch und ein Film haben mich ganz besonders berührt und inspiriert. Beide stelle ich euch vor und lege sie euch sehr ans Herz.

Isabel Bogdan: Laufen

“Ich kann nicht mehr. Das ist natürlich Quatsch, ich bin ja gerade erst losgelaufen …” Diese ersten Sätze haben mich sofort abgeholt. Das könnte ich gedacht haben nach den ersten paar Metern beim Joggen. Überhaupt stehen in diesem Büchlein Sätze, die ich mir anstreichen musste. In einem einzigen Gedankenstrom nimmt uns die Ich-Erzählerin mit auf ihre Laufrunden. Erst ist es ein Weglaufen. Vor einem schlimmen Verlust. Dann wird es ein Lauf zurück ins Leben, zurück in die Lebensfreude.

Denken ist ehrlich. Ungeschönt und aufrichtig haut die Läuferin ihre Gedanken raus. Wir durchleben alle Phasen ihrer Trauer, wir laufen quasi mit. Anfangs noch atemlos, wütend und verzweifelt und irgendwann immer ruhiger werdend und zuversichtlicher. Beim Laufen erfahren wir, was passiert ist, aus welchem Gefühlsstrudel sich die namenlose Protagonistin kämpft.

Es sind Gedanken und Handlungen, die treffend die Schwerfälligkeit und die Unmöglichkeit kleinster Aktionen in einer Depression ausdrücken. Ihren Bewusstseinsstrom durchzucken Geistesblitze und Überlegungen, in denen sie sich Verhaltensweisen und Lebensentwürfe anderer Menschen ausmalt, denen sie auf ihren Laufrunden zufällig begegnet. Das kenne ich aus meinem eigenen Denkwirrwarr.

Beim Lesen kamen mir die Tränen und dann wieder musste ich laut auflachen. Das schafft ein Buch selten. Bis jetzt ist es mein Buch des Jahres (von den drei, die ich bisher gelesen habe) Mal sehen, welche anderen Bücher es im Laufe meines Lesejahres schaffen werden, diesem Büchlein den Rang “abzulaufen”. Und! Es hat mich motiviert, mein eigenes Lauftraining wieder aufzunehmen, auch um meine eigene Festgefahrenheit aufzulockern. Zweimal war ich schon …

Isabel Bogdan: Laufen*, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch

Die Schwimmerinnen

Das Filmdrama erzählt die Flucht der Schwestern Yusra und Sarah Mardini 2015 vor dem Krieg aus Syrien. Seit ihrer Kindheit werden sie von ihrem Vater im Schwimmen trainiert. Ihr Traum ist es, eines Tages an den Olympischen Spielen teilzunehmen.

Der Krieg wird immer bedrohlicher und ein geregeltes Leben ist in Syrien kaum mehr möglich. Schließlich stimmt der Vater zu, die beiden Mädchen nach Deutschland zu schicken, damit die Eltern mit der jüngeren Tochter später durch Familienzusammenführung nachkommen können.

Es ist eine Fluchtgeschichte in unfassbar beeindruckenden Bildern. Die beiden Profischwimmerinnen, gerade mal 17 und 20 Jahre alt, riskieren ihr eigenes Leben, um eine ganze Flüchtlingsgruppe zu retten. Als das völlig überfüllte und kaputte Schlauchboot, mit dem sie von der Türkei nach Griechenland übersetzen wollen, zu sinken droht, schwimmen die beiden Mädchen die gesamte Strecke nach Lesbos. Auf der Insel angekommen, steigen die Flüchtlinge über tausende weggeworfene Schwimmwesten. Das sind bildgewaltige, emotionale Szenen.

Nach Stationen auf Lesbos, in Ungarn, im Zelt auf dem Tempelhofer Feld in Berlin, erfüllt sich für Yusra schließlich ihr Traum. Sie nimmt für das olympische Flüchtlingsteam 2016 an den Olympischen Spielen in Rio teil. Ihre Schwester Sarah kehrt nach Lesbos zurück, um Flüchtenden zu helfen.

Die Geschichte ist wahr. Der Ehrgeiz, Lebenshunger und das Durchhaltevermögen der beiden Mädchen sind sehr bewegend und motivierend.

Die Schwimmerinnen, Filmdrama von Sally El Hosaini, 2022, bei Netflix

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Ich wünsche euch, dass ihr euch den Zauber des Jahresanfangs noch lange bewahrt und passt auf eure Ziele auf!

Alles Liebe

Dorothee

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4 Antworten zu “Lebenszeichen #7 – Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne”

  1. Liebe Dorothea, wie wunderschön du das Buch als auch den Film beschrieben hast. Den Post direkt mit meinem Lieblingsdichter, Hermann Hesse, zu zitieren macht deine liebevollen, aufmunterten Zeilen noch lesenswerter und interessanter. Dir und deiner Familie ein gutes, gesundes neues Jahr. Ganz liebe Grüße
    Gabi Schmidt.

    PS.: wir haben über Instagram schon einen netten Austausch gehabt. Leider ist, wie bei so vielen am 31.10.2022 der Account gelöscht worden.
    Du kennst mich unter sno1810, mein neuer Account heißt Miniscule_2019

    • Liebe Gabi,
      danke für deine lieben Worte und guten Wünsche! Auch für dich und deine Familie soll es ein wundervolles und vor allem gesundes neues Jahr werden!
      Das tut mir ja leid, dass dein Account komplett gelöscht wurde. Wie ärgerlich. Gut, dass ich jetzt weiß, wie ich dich finde.
      Alles Liebe
      Dorothee

  2. Liebe Dorothee,
    zuerst möchte ich Dir von ganzem Herzen ein wundervolles, gesundes Jahr 2023 wünschen. Ich finde auch, dass so ein Jahresanfang immer etwas von einem kleinen Neubeginn hat. Und da meist die Pflichten und Aufgaben noch etwas Pause haben, hat man nach dem Stress, den die Weihnachtszeit gerne als nicht ganz so lieben Begleiter mitbringt, Zeit, um zu reflektieren und Pläne zu schmieden. Wie sagte einst schon Karl Valentin so treffend: „…und wenn die stade Zeit vorüber ist, dann wird`s auch wieder ruhiger!“ Ich denke, dass der Wegfall der Hektik mit ein Grund ist, warum dieser ersten Januarwoche ein solcher Zauber innewohnt.
    Vorsätze fasse ich schon Jahre nicht mehr, da es meist anders kommt, als man denkt. Da gefällt mir Deine Idee mit der Zielsetzung erheblich besser.

    Alles Liebe und viel Erfolg beim Erreichen Deiner Ziele,
    Melanie

    • Liebe Melanie,
      danke dir von Herzen! Auch für dich die liebsten Wünsche für ein glückliches und gesundes 2023!
      Der Spruch von Karl Valentin ist so treffend 🙂 Da ist was Wahres dran, dass die erste Woche gerade nach den vollgepackten Feiertagen eine besondere Ruhe ausstrahlt.
      Danke dir für’s Lesen und deinen lieben Kommentar!
      Alles Liebe
      Dorothee

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